Die Prager Burg erstreckt sich über nahezu 70.000 Quadratmeter oberhalb der Moldau und gilt laut Guinness-Buch der Rekorde als größte antike Burganlage der Welt. Ihre Anfänge reichen bis ins Jahr 870 zurück; sie diente böhmischen Königen und Kaisern des Heiligen Römischen Reiches als Residenz und beherbergt heute den Präsidenten der Tschechischen Republik. Jahr für Jahr erkunden 2,59 Millionen Besucher jene gepflasterten Innenhöfe, auf denen ein Jahrtausend europäischer Machtgeschichte seinen Lauf nahm.
Das erste Bauwerk der Burganlage war die Marienkirche, errichtet im Jahr 870. In den folgenden Jahrhunderten erweiterten aufeinanderfolgende Herrscher das Ensemble in mehreren Etappen: Ottokar II. verstärkte die Befestigungen im 13. Jahrhundert, Karl IV. ergänzte gotische Elemente im 14. Jahrhundert, und unter König Vladislav II. entstand Ende des 15. Jahrhunderts der mächtige Wladislaw-Saal. Ein verheerender Brand im Jahr 1541 zerstörte weite Teile der Anlage, woraufhin die Habsburger Renaissance-Bauten hinzufügten – darunter das Sommerpalais Belvedere unter Ferdinand I.
Sie betreten das Areal durch Innenhöfe, in denen barocke Fassaden und gotische Türme einander ablösen, und treten dann in die St.-Veits-Kathedrale ein, wo Licht durch Buntglasfenster auf Steinböden fällt, die Jahrhunderte von Schritten glatt geschliffen haben. Das Burggelände erstreckt sich lang und schmal – 570 Meter von einem Ende zum anderen –, sodass Sie durch klar gegliederte Bereiche wandern: Palaststräkte, die winzigen Häuschen des mittelalterlichen Goldenen Gässchens, terrassierte Gärten, die zur Stadt hin abfallen. Die Dimensionen sind gewaltig, doch die Wege bleiben intim und winden sich zwischen Türmen und Kapellen hindurch, die jeweils ein anderes Jahrhundert bewahren.